Turbulente Tage bei Olympia in Paris mit Baby: Unsere Erfahrungen
Olympische Spiele in Paris. Volle Stadien, deutsche Medaillen, Sport von morgens bis abends – und mittendrin wir mit einem 16 Monate alten Kind. Klingt nach einer guten Idee? Das haben wir uns vor unserer Reise auch mehr als einmal gefragt.
Im Sommer 2024 reisten wir zu fünft nach Paris: Mama, Papa, Emma, Oma und Opa. Fünf Nächte wollten wir bleiben und möglichst viel Olympia erleben. Gleichzeitig war Emma natürlich immer noch 16 Monate alt. Sie brauchte ihren Mittagsschlaf, wollte krabbeln und laufen und hatte herzlich wenig Verständnis dafür, warum Mama und Papa stundenlang anderen Menschen beim Sport zugucken wollten.
Spoiler: Wir würden es trotzdem sofort wieder machen.
Wir haben deutsche Medaillen live bejubelt, sehr viel Geld für Tickets ausgegeben, einen Kinderwagen durch Pariser Metrostationen getragen und bei gefühlt 40 Grad verzweifelt nach Schatten gesucht. Wir haben aber auch erlebt, wie Emma im Deutschlandtrikot auf der Tribüne klatschte und jubelte, als wäre sie seit Jahren Olympiafan.
Und dann war da noch das 1.000-Euro-Schwimmticket. Aber dazu später mehr.
- Leichtathletik mit Leo Neugebauer
- Schwimmen für 1.000 Euro
- Kajak-Cross in Vaires-sur-Marne
- Bogenschießen mit Florian Unruh
So haben wir Olympia in Paris mit Baby geplant
Unsere Ausgangslage war eigentlich ziemlich komfortabel: Wir waren nicht nur zu dritt unterwegs, sondern hatten Oma und Opa dabei. Dadurch konnten wir uns aufteilen und auch Wettkämpfe besuchen, die abends stattfanden oder für Emma wenig geeignet waren. Wir flogen von Berlin nach Paris Charles de Gaulle und blieben fünf Nächte. Unsere Unterkunft war das Best Western Quartier Latin Panthéon. Drei Wettkämpfe hatten wir bereits vor der Reise gebucht. Später kamen spontan noch Tickets dazu. Dabei versuchten wir von Anfang an, nicht jeden Tag komplett vollzupacken. Ein großer Wettkampf pro Tag war für uns genug. Schließlich wollten wir Olympia erleben, aber Emma sollte nicht fünf Tage lang von morgens bis abends von einer Veranstaltung zur nächsten geschleppt werden.Wie wir unsere Sportarten ausgewählt haben
Theoretisch hatten wir vier Kriterien: Preis, Uhrzeit, unsere persönlichen Interessen und möglichst unterschiedliche Sportarten. Außerdem spielte die Lautstärke eine Rolle. Emma mochte ihren Kindergehörschutz nämlich überhaupt nicht. Das war kein Ausschlusskriterium, bestärkte uns aber bei manchen Entscheidungen. Die Uhrzeit war besonders wichtig. Bei Abendveranstaltungen musste geklärt sein, wer bei Emma bleiben konnte. Außerdem wollten wir nicht mehrere Wettkämpfe buchen, die sich überschnitten. So weit die Theorie. In der Praxis lautete ein weiteres, ziemlich entscheidendes Auswahlkriterium: Wofür gibt es überhaupt noch Tickets?Der Ticketverkauf: unser erster olympischer Ausdauerwettkampf
Der Ticketverkauf für Paris 2024 war nämlich ein ziemlicher Pain. Die Tickets kamen in mehreren Verkaufsrunden auf den Markt und wir hatten beide kein besonderes Losglück. Erst in der dritten Runde waren wir dabei. Zu diesem Zeitpunkt waren einige Sportarten bereits ausverkauft. Bei anderen gab es nur noch sehr teure Tickets in den höheren Kategorien. Unsere sorgfältig aufgestellten vier Auswahlkriterien wurden deshalb gelegentlich um ein fünftes ergänzt: Nehmen, was noch da ist. Vor Ort funktionierte dafür der offizielle Fan-to-Fan-Wiederverkauf überraschend gut. Darüber bekamen wir sogar noch zwei zusätzliche Tickets zum regulären Preis. So konnten wir einen Wettkampf, den ursprünglich nur drei von uns besuchen sollten, am Ende doch alle zusammen erleben.Leichtathletik: Silber für Leo Neugebauer und ein ziemlich perfekter Olympiaabend
Auf Leichtathletik hatte ich mich besonders gefreut. Der Wettkampf fand abends statt, deshalb blieb Emma mit Papa im Hotel. Ich machte mich mit Oma und Opa auf den Weg ins Stadion. Und wir hatten richtig Glück mit unserem Tag: Wir waren am zweiten Tag des Zehnkampfs dort und konnten live erleben, wie Leo Neugebauer die Silbermedaille gewann. Genau für solche Momente fährt man zu Olympischen Spielen. Ein volles Stadion, die letzten Entscheidungen im Zehnkampf und am Ende eine deutsche Medaille – wir kamen entsprechend beschwingt zurück ins Hotel. Dort war die Party allerdings bereits vorbei: Emma und Papa schliefen. Auch die An- und Abreise überraschte uns positiv. Trotz der riesigen Menschenmengen fuhren die Züge in sehr engem Takt und wir kamen unkompliziert hin und zurück. Teilweise standen schon wenige Minuten später die nächsten Züge bereit. Als Berliner ertappten wir uns durchaus bei dem Gedanken: Das könnte man zu Hause vielleicht auch mal ausprobieren.Schwimmen für 1.000 Euro: Papas große Olympia-Enttäuschung
Während Leichtathletik für mich eines der Highlights war, lief es für Papa beim Schwimmen leider genau andersherum. Er hatte sich wahnsinnig auf diesen Abend gefreut. Es war eine Abendsession mit Sprintwettbewerben der Männer und Frauen und das Ticket hatte unglaubliche 1.000 Euro gekostet. Vor dem Wettkampf war die Stimmung entsprechend: Olympia! Schwimmen! Einmal im Leben! Natürlich musste vorher auch noch der Souvenirshop besucht werden. Voll ausgestattet und maximal motiviert ging es auf den Platz. Und dann saß er – für 1.000 Euro – hinter einer Barriere. Von seinem Platz aus konnte er Teile des Geschehens schlecht sehen und gerade die deutschen Schwimmer kaum vernünftig verfolgen. Auch die Stimmung in der Halle sprang nicht so auf ihn über, wie er es sich erhofft hatte. Er kam entsprechend enttäuscht zurück. Ich verbrachte den restlichen Paris-Trip deshalb mit regelmäßiger mentaler Aufbauarbeit. Besonders schade war es, weil er sich auf diesen Wettkampf von allen Veranstaltungen vielleicht am meisten gefreut hatte. Falls ihr euch also fragt, ob ein extrem teures Olympia-Ticket automatisch einen extrem guten Platz bedeutet: Unsere Stichprobe mit n=1 sagt leider nein.Kajak-Cross in Vaires-sur-Marne: Bronze, Baby und brütende Hitze
Unser mit Abstand herausforderndster Tag war gleichzeitig einer der schönsten. Zum Kajak-Cross fuhren wir nach Vaires-sur-Marne, östlich von Paris. Dort fanden die Wildwasserwettbewerbe statt. Ursprünglich sollten nur Mama, Papa und Oma hingehen. Über den offiziellen Wiederverkauf bekamen wir aber noch zwei Tickets und entschieden spontan: Wir gehen alle zusammen. Das bedeutete allerdings auch: Emma brauchte ein eigenes Ticket. Und zwar kein symbolisches Baby-Ticket für fünf Euro, sondern ein reguläres Ticket zum vollen Preis. Rund 200 Euro für eine 16 Monate alte Olympia-Zuschauerin – sportlich. Die Anreise war dafür erstaunlich entspannt. Wir nahmen bewusst einen frühen Zug, der noch ziemlich leer war. Emma schlief unterwegs und war bei unserer Ankunft ausgeschlafen und gut gelaunt. Bevor es zum Wettkampf ging, aßen wir gemeinsam etwas in der Essensmeile. Die Volunteers mit ihren langen rosa Wegweisern zeigten uns den Weg und alles fühlte sich zunächst wunderbar unkompliziert an. Dann kam die Sonne.Schatten? Welcher Schatten?
Es war unglaublich heiß. Gleichzeitig gab es an der Sportstätte kaum Schatten – weder im Ankunftsbereich noch auf unserer Tribüne. Irgendwo stand ein einzelnes Zelt, unter dem sich bereits gefühlt sämtliche Zuschauer versammelt hatten. Wir quetschten uns mit Mühe noch irgendwie darunter. Irgendwann passierte etwas, das die Ernsthaftigkeit der Lage endgültig bestätigte: Sogar Oma und Opa kauften sich ein Eis. Das klingt für Außenstehende vermutlich wenig dramatisch. Wer meine Eltern kennt, weiß: Wenn die freiwillig Eis essen, ist es wirklich heiß. Emma machte die Hitze erstaunlich gut mit. Sie klatschte, freute sich, rief mit und bejubelte im kleinen Deutschlandtrikot gemeinsam mit uns die Sportler. Und am Ende gab es tatsächlich noch eine deutsche Medaille: Noah Hegge gewann Bronze im Kajak-Cross. Natürlich blieben wir auch noch zur Siegerehrung. Dort wurde es allerdings sehr laut. Emma wollte ihren Gehörschutz weiterhin partout nicht tragen. Deshalb teilten wir uns erneut auf: Einer ging für die Siegerehrung weiter nach vorne, während der andere mit Emma etwas weiter entfernt blieb. Vor der Rückfahrt hatten wir wegen der Menschenmassen Respekt. Völlig unnötig, wie sich herausstellte. Die Zuschauer verteilten sich erstaunlich gut und die Abreise war hervorragend organisiert. Wir bekamen sogar noch Sitzplätze, obwohl wir erst wenige Minuten vor Abfahrt in den Zug stiegen.Bogenschießen: Florian Unruh im Halbfinale – und Emma rätselt, was hier eigentlich passiert
Auch beim Bogenschießen waren wir alle zusammen unterwegs. Und sportlich hatten wir wieder einen richtig spannenden Tag erwischt: Florian Unruh stand im Halbfinale des Männer-Einzels. Unseren GB Pockit+ All-Terrain durften wir mit hineinnehmen. Weil er sich sehr klein zusammenklappen lässt, konnten wir ihn einfach unter Emmas Platz verstauen. Für uns war es toll, einen Wettkampf gemeinsam als Familie zu erleben. Emma wechselte währenddessen munter zwischen Mama, Papa, Oma und Opa. Mal saß sie, mal stand sie, zwischendurch wurde gegessen und natürlich wurde immer wieder mitgejubelt. Damit lässt sich übrigens ein erstaunlich großer Teil eines Olympia-Tages mit Kleinkind zusammenfassen: sitzen, stehen, essen, jubeln, wieder essen. Bogenschießen hat aus Sicht einer 16 Monate alten Zuschauerin allerdings einen kleinen Nachteil: Man versteht überhaupt nicht, was da passiert. Die Pfeile sind während des Fluges kaum zu sehen und die Scheiben stehen so weit entfernt, dass Emma natürlich auch dort nicht erkennen konnte, wo ein Pfeil gelandet war. Für uns war das Halbfinale mit deutscher Beteiligung entsprechend spannend. Für sie bestand das Event vermutlich hauptsächlich aus Menschen, die plötzlich gemeinsam jubelten. Die Zuschauer um uns herum waren dabei überraschend entspannt. Natürlich waren wir mit Kleinkind gelegentlich etwas lauter und chaotischer. Trotzdem hatten wir nie das Gefühl, dass sich jemand ernsthaft an uns störte. Nur einmal gab es Tränen: Als der Junge vor Emma aufstand, klappte sein Sitz hoch und Emma klemmte sich den Fuß ein. Danach war erst einmal Trost angesagt. Und nach dem Wettkampf? Ab auf die Wiese. Dort konnte sie endlich wieder krabbeln, sich bewegen und spielen. Für Emma vermutlich mindestens so wichtig wie ein olympisches Halbfinale.Volles Olympia-Ticket fürs Baby – ernsthaft?
Eine Sache hat uns bei der Planung wirklich überrascht: Auch ein 16 Monate altes Kind brauchte bei unseren ticketpflichtigen Veranstaltungen ein eigenes reguläres Ticket. Immerhin bekam Emma dafür auch einen eigenen Sitzplatz. Trotzdem tut es ein bisschen weh, rund 200 Euro für einen Platz zu bezahlen, auf dem das Kind einen beträchtlichen Teil der Zeit gar nicht sitzt. Beim Bogenschießen fragte uns sogar ein Italiener, ob wir für Emma tatsächlich ein Ticket kaufen mussten. Als wir Ja sagten, konnte er es kaum glauben. Bei unseren besonders teuren Veranstaltungen – Schwimmen und Leichtathletik – kam Emma ohnehin nicht mit. Beide fanden abends statt und wären für sie viel zu spät gewesen. Angesichts eines Schwimmtickets für 1.000 Euro waren wir über diese Entscheidung im Nachhinein nicht unbedingt unglücklich.Paris mit Kinderwagen: Liebe sieht anders aus
Olympia mit Baby funktionierte insgesamt erstaunlich gut. Paris mit Kinderwagen dagegen eher nicht. Die Pariser Metro ist wirklich kein Traum für Familien mit Buggy. An vielen Stationen gibt es keine durchgehenden Rolltreppen oder Aufzüge. Immer wieder standen wir vor Treppen und mussten den Kinderwagen hoch- oder runtertragen. Unser GB Pockit+ All-Terrain war dabei Gold wert, weil er klein und leicht ist. Mit einem großen Kinderwagen hätte ich vermutlich irgendwann einfach an einer Metrostation kapituliert. Hinzu kam, dass Emma die Metro hasste. Sie weinte dort häufig, die Züge waren teilweise sehr voll und mit Kinderwagen hatten wir immer wieder das Gefühl, allen im Weg zu stehen. Deutlich entspannter war unsere Fahrt nach Vaires-sur-Marne. Dort hatten wir im Zug viel Platz und die gesamte Anreise fühlte sich mit Kind wesentlich unkomplizierter an.Mittagsschlaf ist auch bei Olympia Mittagsschlaf
Man könnte meinen, ein Baby würde angesichts von Olympia, Paris und Tausenden anderen Menschen ausnahmsweise auf seinen Mittagsschlaf verzichten. Unseres nicht. Emma brauchte weiterhin mindestens einen Nap am Tag. Gleichzeitig schlief sie damals nicht besonders gerne im Kinderwagen. Wir mussten den Mittagsschlaf deshalb bei unserer Planung berücksichtigen. Dabei half uns vor allem eines: Wir mussten nicht immer alles gemeinsam machen. Mal blieb jemand mit Emma im Hotel, mal teilten wir uns für einige Stunden auf. Gerade weil Oma und Opa dabei waren, funktionierte das sehr gut. Natürlich hätten wir gemeinsam mehr sehen können, wenn Emma einfach überall im Buggy geschlafen hätte. Tat sie aber nicht. Also planten wir um sie herum – und das war am Ende für alle entspannter.Abendessen in Paris: Restaurantromantik trifft Babybett
Auch das Abendessen war ein Klassiker unserer Reisen mit kleinem Kind. Emma musste abends ins Bett. Sie im Kinderwagen einschlafen zu lassen, gemütlich essen zu gehen und sie anschließend schlafend ins Hotelbett umzubetten, klingt in der Theorie wunderbar. In unserer Familie endet dieses Konzept zuverlässig im Drama. Deshalb ließen wir uns häufiger Essen direkt in die Hotellobby liefern oder holten Take-away. Rund um unser Hotel war die Auswahl leider nicht riesig, aber es funktionierte. War es die kulinarisch aufregendste Art, Paris zu erleben? Nein. Hatten wir dafür abends ein schlafendes Kind? Meistens ja. Prioritäten.Unser Hotel während Olympia: 500 Euro pro Nacht als Schnäppchen
Eine der größten Herausforderungen begann schon mehr als ein Jahr vor unserer Reise: eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Natürlich war uns klar, dass Paris während der Olympischen Spiele teuer werden würde. Aber teilweise wurden für Drei-Sterne-Hotels rund 1.000 Euro pro Nacht aufgerufen. Irgendwo endet dann auch unsere Olympia-Begeisterung. Nach sehr viel Recherche fanden wir schließlich über ein Reisebüro das Best Western Quartier Latin Panthéon. Dort konnten wir zwei Zimmer buchen und auch ein Babybett reservieren. Am Ende zahlten wir ungefähr 500 Euro pro Zimmer und Nacht. Während Olympia fühlte sich das plötzlich fast wie ein Schnäppchen an. Das Hotel war völlig in Ordnung: sauber, ruhig, ausreichend Platz und der Service passte. Das Frühstück fand allerdings in einem fensterlosen Keller statt. Außerdem stand Emmas Hochstuhl offenbar an einer strategisch besonders ungünstigen Stelle. Gefühlt flog jeden Morgen ein anderer Hotelgast über seine Beine. Aber gut: Bei 500 Euro pro Nacht kann man schließlich nicht auch noch erwarten, dass niemand über den Hochstuhl stolpert.Unsere unschöne Erfahrung mit dem Metro-Ticket
Auch direkt nach unserer Ankunft lief nicht alles glatt. Vom Flughafen Charles de Gaulle fuhren wir mit dem Zug Richtung Innenstadt. Dort wollten wir ein Wochenticket für den Pariser Nahverkehr kaufen. Wir bezahlten den entsprechenden Betrag – und stellten später fest, dass wir stattdessen lediglich ein Ticket für einen deutlich kürzeren Zeitraum erhalten hatten. Für uns war das besonders ärgerlich, weil der Verkäufer den Preis für die Dauerkarte kassiert hatte. Unser Tipp deshalb: Kontrolliert direkt beim Kauf, welches Ticket ihr tatsächlich bekommen habt, insbesondere wenn ihr euch vor Ort beraten lasst. Welcher Bahnhof genau der Ort unseres Ticket-Dramas war, weiß ich heute leider nicht mehr.Menschenmassen – und trotzdem erstaunlich gute Organisation
Vor der Reise hatten wir großen Respekt vor den Menschenmassen. Und natürlich war Paris voll. Viele Dinge mussten vorab reserviert werden. Das galt nicht nur für Wettkämpfe, sondern beispielsweise auch für andere beliebte Aktivitäten rund um Olympia. Einfach morgens aufzustehen und spontan zu überlegen, was man an diesem Tag machen möchte, funktionierte deshalb nur eingeschränkt. Teilweise gab es lange Schlangen. Gerade mit einem 16 Monate alten Kind kann eine Stunde Stillstehen schnell zu einer eigenen olympischen Disziplin werden. An den Sportstätten selbst waren wir von der Organisation allerdings positiv überrascht. Es gab häufig Fast Lanes, unter anderem für Familien mit kleinen Kindern, die wir nutzen konnten. Auch die Besucherströme nach den Veranstaltungen wurden erstaunlich gut verteilt. Gerade beim Kajak-Cross hatten wir mit einer chaotischen Rückfahrt gerechnet. Stattdessen lief alles völlig entspannt.Was mit Baby überraschend gut funktioniert hat
Überhaupt gab es einige Dinge, die deutlich besser liefen als erwartet. Besonders mochten wir die Fanfeste und öffentlichen Flächen rund um Olympia. Dort gab es große Bildschirme, auf denen man gemeinsam Wettkämpfe verfolgen konnte, dazu Fotoecken, Snacks und teilweise kleine Angebote für Kinder. Für uns waren vor allem Parks und Rasenflächen Gold wert. Emma konnte dort krabbeln, laufen und einfach Kind sein, bevor wir wieder zum nächsten Programmpunkt gingen. Auch an einigen Sportstätten selbst gab es Mitmachangebote. Beim Bogenschießen konnte man beispielsweise die Sportart ausprobieren. Dazu kamen große Grünflächen, auf denen Emma sich bewegen konnte. Und sie hielt die Wettkämpfe tatsächlich viel besser durch, als wir vorher gedacht hatten. Natürlich bedeutete ein Wettkampf mit 16 Monate altem Kind nicht, dass wir drei Stunden konzentriert auf unseren Plätzen saßen und jede sportliche Feinheit analysierten. Wir bespaßten, erklärten, trugen herum, reichten Snacks und wechselten uns ab. Aber Emma hatte Spaß. Sie klatschte, jubelte und saß stolz in ihrem kleinen Deutschlandtrikot auf der Tribüne. Für uns war genau das entscheidend.Essen fürs Baby war überhaupt kein Problem
Auch bei der Verpflegung hatten wir uns vorher mehr Gedanken gemacht als nötig. Wir hatten Gläschen, Snacks, Brot und Obst für Emma dabei und konnten ihr Essen problemlos mit in die Wettkampfstätten nehmen. Ein kleines Messer zum Vorbereiten von Obst oder Brot war praktisch. Ansonsten fanden wir unterwegs immer etwas für sie. Und Käse gab es in Paris nun wirklich genug – was Emma sehr entgegenkam.Olympia ohne Ticket: Marathon mit Baby
Nicht jedes Olympia-Erlebnis braucht übrigens ein 200-Euro- oder gar 1.000-Euro-Ticket. Wir schauten uns auch den Marathon an der Strecke an. Gerade mit kleinem Kind war das wunderbar unkompliziert. Wir konnten kommen und gehen, wann wir wollten, Emma musste nicht lange auf einem Sitzplatz bleiben und trotzdem waren wir mitten in der Olympia-Atmosphäre. Eigentlich wollten wir auch zum Triathlon. Der fand allerdings so früh statt, dass unsere Motivation am Morgen nicht annähernd olympisches Niveau erreichte. Wir schafften es nicht. Für Familien würde ich solche frei zugänglichen Straßenwettbewerbe trotzdem unbedingt einplanen. Sie geben viel mehr Flexibilität als eine mehrstündige Veranstaltung mit festen Sitzplätzen.Weniger Paris – dafür mehr Zeit für Emma
Natürlich hätten wir gerne noch mehr gesehen: mehr Wettkämpfe, mehr von Paris, noch ein Museum hier und noch eine Veranstaltung dort. Wir entschieden uns aber bewusst dagegen, jeden Tag bis zur letzten Minute vollzupacken. Emma brauchte Zeit zum Krabbeln, Spielen und Ausruhen. Also verbrachten wir zwischendurch einfach Zeit in Parks oder auf Fanfesten. Trotzdem sahen wir einiges von Paris. Wir waren an der olympischen Flamme, am Eiffelturm und auf den Champs-Élysées. Und weil Oma und Opa dabei waren, konnten Mama und Papa sogar einmal alleine zusammen auf den Eiffelturm, während Emma bei den Großeltern blieb. Dabei half sicherlich, dass wir Paris schon kannten. Wir hatten nicht das Gefühl, unbedingt noch sämtliche klassischen Sehenswürdigkeiten abhaken zu müssen. Im Nachhinein war weniger Programm für uns eindeutig die bessere Entscheidung.Unsere Tipps für Olympia mit Baby
Nach fünf Nächten Olympia mit einer 16 Monate alten Zuschauerin würden wir vor allem diese Dinge wieder so machen:- Maximal einen großen Wettkampf pro Tag planen. Mehr wäre uns mit Emma zu stressig gewesen.
- Ticketregeln für Babys vorher genau prüfen. Bei uns brauchte Emma ein reguläres Ticket zum vollen Preis.
- Früh zu den Sportstätten fahren. Unsere frühe Fahrt nach Vaires-sur-Marne war dadurch wunderbar entspannt.
- Einen möglichst kleinen und leichten Kinderwagen mitnehmen. Gerade in der Pariser Metro waren wir sehr froh über unseren GB Pockit+.
- Mittagsschlaf nicht wegplanen. Olympia hin oder her – ein müdes Kleinkind bleibt ein müdes Kleinkind.
- Nicht immer alles gemeinsam machen. Unsere Aufteilung zwischen Eltern und Großeltern hat vieles erst möglich gemacht.
- Sonnenschutz ernst nehmen. Gerade beim Kajak-Cross gab es viel weniger Schatten, als wir erwartet hatten.
- Genug Essen und Snacks mitnehmen. Ein gut versorgtes Kleinkind ist auf einer langen Tribünensitzung eindeutig angenehmer.
- Fanzonen, Parks und kostenlose Wettbewerbe nutzen. Für Emma waren die Bewegungspausen mindestens genauso wichtig wie die eigentlichen Wettkämpfe.
Unser Fazit: Würden wir Olympia mit Baby wieder machen?
Ja. Sofort. Natürlich war Olympia mit einer 16 Monate alten Emma anstrengender als ohne Kind. Wir sahen weniger Wettkämpfe, machten weniger Sightseeing und verbrachten vermutlich mehr Zeit auf Rasenflächen als der durchschnittliche Olympia-Tourist. Wir trugen einen Kinderwagen durch Metrostationen. Wir planten unseren Tag um Mittagsschlaf und Abendessen herum. Wir bezahlten rund 200 Euro für einen Sitzplatz, dessen Besitzerin die Sportart vermutlich nicht einmal verstand. Und wir standen bei sengender Hitze mit einem Kleinkind unter einem völlig überfüllten Zelt. Aber genau diese Dinge sind nicht das, woran ich zuerst denke, wenn ich mich an Paris zurückerinnere. Ich denke an Emma in ihrem kleinen Deutschlandtrikot. Daran, wie sie auf der Tribüne saß, klatschte und mit uns jubelte. An Leo Neugebauers Silbermedaille. An Noah Hegges Bronze im Kajak-Cross. An Florian Unruh im Halbfinale. An unsere gemeinsamen Nachmittage auf den Fanfesten und im Park. Und daran, dass wir dieses besondere Ereignis tatsächlich als drei Generationen gemeinsam erlebt haben. Emma war bei dieser Reise nicht das Hindernis, um das herum wir Olympia organisieren mussten. Sie war Teil unseres Olympia-Erlebnisses. Und genau deshalb würden wir es wieder machen.Neueste Beiträge
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