Von Kiwis, Boys-Windeln und menschlichen Ampeln: 11 Dinge, die uns in Neuseeland überrascht haben

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Von Kiwis, Boys-Windeln und menschlichen Ampeln: 11 Dinge, die uns in Neuseeland überrascht haben

Acht Wochen Neuseeland. Da bleiben natürlich vor allem die großen Erlebnisse im Kopf. Die Landschaften, die Wanderungen, die Tiere und die Freiheit im Camper. Aber eben nicht nur. Manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, über die wir heute noch sprechen. Zum Beispiel der Versuch, den Reifendruck unseres Schrottcampers zu prüfen. Oder der Supermarkt, der einem Mann Mitte 30 kein Bier verkaufen wollte. Die menschlichen Ampeln auf neuseeländischen Baustellen. Windeln für Boys und Girls. Und natürlich der Kiwi. Dieses seltsame Tier, das in Neuseeland wirklich überall zu sein scheint. Außer dort, wo wir mit unseren Taschenlampen nach ihm gesucht haben. Hier kommen deshalb unsere ganz persönlichen Kuriositäten in Neuseeland. Dinge, die uns überrascht haben, die uns zum Lachen gebracht haben oder die einfach so anders waren, dass wir sie bis heute nicht vergessen haben.
Polynesian Spa in Roturoa mit Baby

1. Wie unser Schrottcamper uns Pam und Cole bescherte

Unser Camper und wir hatten während unserer Neuseelandreise eine etwas schwierige Beziehung. Es funktionierte eigentlich ständig irgendetwas nicht. Auf der Nordinsel wollten wir deshalb irgendwann wenigstens mal den Reifendruck kontrollieren. Klingt einfach. Für uns war es das nicht. Wir haben zu Hause kein Auto und hatten beide noch nie selbst den Reifendruck geprüft. Also fuhren wir auf dem Weg Richtung Coromandel Peninsula an eine Tankstelle. Mein Mann ging hinein und fragte nach. Kurz darauf kam er wieder heraus. Nein. Ging dort nicht. Na gut. Dann eben weiter. Doch bevor wir losfahren konnten, sprach uns ein neuseeländisches Paar an: Pam und Cole. Beide ungefähr Mitte 40, unglaublich nett und mindestens genauso reisebegeistert wie wir. Sie hatten keine Kinder und verbrachten dafür jedes Jahr längere Zeit mit dem Camper in Europa. Eigentlich wollten wir nur kurz reden. Stattdessen verquatschten wir uns komplett. Aus ein paar Minuten wurde ein langes Gespräch. Wir verstanden uns auf Anhieb und tauschten irgendwann sogar Nummern aus. Und damit war die Geschichte noch nicht vorbei. Später auf unserer Reise trafen wir Pam und Cole noch einmal. Sie wohnen auf der Peninsula und luden uns dort auf einen Kaffee ein. Bis heute haben wir sporadisch Kontakt. Wir wollten an diesem Tag eigentlich nur Luft in einen Reifen bekommen. Bekommen haben wir zwei neue Bekannte. Vielleicht müssen wir unserem Schrottcamper dafür im Nachhinein sogar ein kleines bisschen dankbar sein.

2. Unsere sonst so wählerische Emma – plötzlich im Spa-Himmel

Emma war mit neun Monaten nicht unbedingt das Baby, bei dem wir dachten: Ach, die macht schon alles mit. Eher das Gegenteil. Sie konnte ziemlich wählerisch sein. Neuem gegenüber war sie oft skeptisch. Wenn ihr etwas nicht gefiel, teilte sie uns das auch sehr deutlich mit. Entsprechend skeptisch waren wir, als wir das Polynesian Spa in Rotorua besuchen wollten. Wir rechneten eigentlich fest damit, dass immer nur einer von uns ins Wasser gehen würde. Der andere würde draußen mit Emma bleiben. Das übliche Elternprogramm eben. Vor Ort liehen wir einen Babyschwimmreifen aus. Einen dieser Reifen mit integriertem Sitz. Emma rein. Ab ins warme Wasser. Und plötzlich hatten wir ein völlig anderes Kind. Sie liebte es. Sie lachte, strampelte und war begeistert. Gefühlt hatte sie die beste Zeit ihres bisherigen Lebens. Und vor allem: Sie wollte überhaupt nicht mehr raus. Wir standen daneben und konnten es kaum glauben. Ausgerechnet die Aktivität, bei der wir mit dem größten Drama gerechnet hatten, wurde zu einem unserer entspanntesten Familienmomente. Wir waren danach so überzeugt, dass wir selbst einen solchen Schwimmreifen kauften. Seitdem wissen wir: Bei Reisen mit Baby kann man ziemlich viel planen. Ob das Baby den Plan ebenfalls gut findet, erfährt man erst vor Ort.

3. Ups. Diese Straße dürfen wir gar nicht fahren

Auch diese Geschichte verdanken wir unserem Camper. Wir waren auf der Südinsel unterwegs und wollten von Queenstown Richtung Wānaka fahren. Die Schilder zeigten nach Wānaka. Also fuhren wir nach Wānaka. So weit, so logisch. Was wir nicht gemacht hatten: auf den Namen der Straße achten. Irgendwann waren wir schon ziemlich weit oben in den Bergen, als wir ein großes Schild sahen. Crown Range Road. Moment mal. Den Namen kannten wir doch. Leider aus unserem Mietvertrag. Travellers Autobarn hatte die Crown Range Road ausdrücklich ausgeschlossen. Laut Vertrag bestand dort für uns kein Versicherungsschutz. Super. Wir waren inzwischen fast am höchsten Punkt der Strecke. Eine gute Möglichkeit zum Wenden sahen wir nicht, also beschlossen wir, weiterzufahren. Und ab diesem Moment fuhren wir ungefähr so, als würde unser Camper bei der kleinsten falschen Bewegung explodieren. Dabei konnten wir das Verbot während der Fahrt gar nicht richtig nachvollziehen. Ja, die Straße ist kurvig. Ja, es geht ordentlich hoch und runter. Aber nach mehreren Wochen Neuseeland kam uns das nicht mehr besonders exotisch vor. Kurven und Berge hatten wir inzwischen reichlich gesehen. Hier war lediglich mehr Verkehr. Trotzdem saß uns der fehlende Versicherungsschutz im Nacken. Also fuhren wir sehr vorsichtig weiter und trauten uns kaum anzuhalten. Das haben wir hinterher bereut. Denn die Strecke war wunderschön. Die Aussicht ebenfalls. Heute würden wir natürlich vorher genauer in den Mietvertrag schauen. Aber wir würden uns auch etwas weniger damit beschäftigen, wie wir unseren nicht versicherten Camper möglichst unauffällig wieder von diesem Berg bekommen.

4. Der Kiwi: überall und trotzdem irgendwie unsichtbar

Wenn man durch Neuseeland reist, könnte man meinen, Kiwis würden an jeder Straßenecke herumstehen. Kiwi auf Tassen. Kiwi auf Postkarten. Kiwi auf Schildern. Kiwi auf Souvenirs. Kiwi überall. Nur einen echten Kiwi in freier Wildbahn haben wir nie gesehen. Und wir haben es wirklich versucht. Vor allem im ruhigeren Süden liefen wir abends mit Taschenlampen über Campingplätze und suchten nach Kiwis. Immer wieder. Unsere Erfolgsquote: Null. Irgendwann wurde die Suche fast zum Running Gag. Den einzigen echten Kiwi unserer Reise sahen wir schließlich im Kiwi-Bereich von Te Puia in Rotorua. Immerhin. Vielleicht gehört genau das aber auch zum Kiwi. Er ist das Nationaltier Neuseelands, begegnet einem ständig – und bleibt trotzdem irgendwie ein Mysterium.

5. Mit Baby im Mini-Panzer über die Otago Peninsula

Manche unserer besten Reiseerlebnisse entstanden, weil wir vorher nicht so genau wussten, worauf wir uns eigentlich einließen. Nature’s Wonders auf der Otago Peninsula ist dafür wahrscheinlich das beste Beispiel. Wir hatten von der Tour gelesen und dachten: Klingt gut. Machen wir. Unsere Devise auf dieser Reise war ohnehin häufig: Einfach mal machen. Vor Ort lernten wir unseren Guide kennen, der diese Touren schon seit Jahrzehnten macht. Und dann sahen wir unser Fahrzeug. Ein offenes, acht-rädriges Geländefahrzeug. Irgendwo zwischen Mini-Panzer, Amphibienfahrzeug und etwas, mit dem man normalerweise vermutlich nicht gemütlich zum Supermarkt fährt. Dann ging es los. Über private Farmwege, durch das Hinterland, bergauf und bergab. Die Fahrt war wild. Sehr wild. Und mittendrin saßen wir mit unserem neun Monate alten Baby. Ich gebe zu: Anfangs war ich ziemlich angespannt. Ich hielt Emma während der Fahrt gut fest und hatte immer wieder Sorge, dass sie bei einem kräftigen Ruck irgendwohin purzeln könnte. Heute würde ich diese Tour deshalb nicht unbedingt mit einem Baby empfehlen. Mit einem Kind, das sicher sitzen kann und etwas älter ist, würde ich mich wohler fühlen. Für uns persönlich wäre etwa ab zwei Jahren ein besseres Alter. Vielleicht machte gerade diese etwas verrückte Fahrt das Erlebnis aber noch eindrucksvoller. Denn wir kamen an Orte, die wir sonst niemals gesehen hätten. Wir sahen Gelbaugenpinguine, kamen den Nistplätzen der kleinen Pinguine sehr nah und beobachteten Neuseeländische Seebären. Mit etwas Glück kann man dort sogar Wale entdecken. Das Glück hatten wir leider nicht. Trotzdem war Nature’s Wonders eines dieser Erlebnisse, bei denen wir hinterher dachten: Was war DAS denn bitte? Und genau deshalb werden wir es vermutlich nie vergessen.

6. Neuseelands menschliche Ampeln

Über eine Sache haben wir uns während unseres Roadtrips immer wieder amüsiert: neuseeländische Baustellen. Davon gab es viele. Sehr viele. Und dort lernten wir einen Beruf kennen, den wir aus Deutschland so zumindest nicht kannten: menschliche Ampel. Da steht tatsächlich ein Mensch am Straßenrand. Mit einem Schild. Auf der einen Seite steht STOP. Auf der anderen GO. Auto kommt. STOP. Schild drehen. GO. Und das offenbar über Stunden. Am Anfang fanden wir das ziemlich kurios. Nach ein paar Wochen gehörten die Stop-and-Go-Menschen für uns einfach zu Neuseeland. Überhaupt wirkten die Baustellen auf uns oft erstaunlich personalintensiv. Überall Menschen. Manche standen mit Schildern herum. Andere saßen irgendwo. Was machen die alle? Keine Ahnung. Wie professionell dort tatsächlich gearbeitet wurde, können und wollen wir natürlich nicht beurteilen. Wir können nur sagen: Als vorbeifahrende Touristen sah es manchmal sehr gemütlich aus. Noch spannender war gelegentlich die Verkehrsführung. Mehr als einmal waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir überhaupt noch auf der Straße fahren durften. Wir fuhren dann einfach weiter. Irgendwie kamen wir am anderen Ende immer wieder heraus.

7. Mitte 30 – aber offenbar zu jung für ein Bier

Einkaufen in Neuseeland. Mein Mann wollte Bier kaufen. Mein Mann ist Mitte 30. Problem sollte man meinen: keines. Er ging alleine in den Supermarkt und kam ohne Bier wieder heraus. Er hatte keinen Ausweis dabei. Kein Ausweis, kein Bier. Dass er ganz offensichtlich schon einige Jahre von seinem 18. Geburtstag entfernt war, half ihm nicht weiter. Das Bier musste im Supermarkt bleiben. Ich fand das ausgesprochen lustig. Er etwas weniger. Danach wussten wir jedenfalls: Auch als Mann Mitte 30 nimmt man in Neuseeland zum Bierkaufen besser seinen Ausweis mit.

8. Papa auf der Damentoilette

Camping mit Baby bringt Probleme mit sich, über die man sich vorher erstaunlich wenig Gedanken macht. Zum Beispiel: Wo duscht eigentlich Papa mit seiner kleinen Tochter? Oder wo badet man ein neun Monate altes Baby, wenn man dafür zu zweit sein möchte? Unsere pragmatische Lösung lautete häufiger: Papa kommt mit auf die Damentoilette. Oder in den Damen-Duschbereich. Beim Reingehen gab es gelegentlich einen kurzen irritierten Blick. Mehr aber auch nicht. Kein Kommentar. Keine Diskussion. Kein Drama. Wir kümmerten uns um Emma und gingen anschließend wieder. Vielleicht ist das gar keine echte Kuriosität. Aber die unkomplizierte Reaktion ist uns in Erinnerung geblieben. Mit Baby mussten wir auf dieser Reise öfter improvisieren. Und meistens interessierte es erstaunlich wenige Menschen, solange wir niemanden störten.

9. Neuseeland ist riesig – und trotzdem trifft man ständig dieselben Leute

Neuseeland ist nicht gerade klein. Trotzdem passierte uns auf Campingplätzen immer wieder etwas Merkwürdiges: Man trifft dieselben Menschen. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Besonders extrem war es rund um den Milford Sound. Dort lernten wir Anna und Leon aus Hamburg mit ihrer Tochter Xenia kennen. Auch sie waren während ihrer Elternzeit in Neuseeland unterwegs. Nächster Campingplatz: Anna, Leon und Xenia. Nächste Nacht: wieder Anna, Leon und Xenia. Drei Nächte hintereinander. Irgendwann musste niemand mehr überrascht sein. Am Ende ähneln sich die typischen Camperrouten eben doch. Vor allem in Gegenden, in denen es nicht unendlich viele Straßen und Campingplätze gibt. Für die drei war ihre Reise fast vorbei. Wir hatten noch ungefähr drei Wochen vor uns. Darum wurden wir ein kleines bisschen beneidet. Und uns wurde gleichzeitig bewusst, wie schnell auch unsere acht Wochen vorbeigingen.

10. Warum stehen hier überall Tische zum Fische-Ausnehmen?

Die ersten Fish Cleaning Stations haben uns ziemlich irritiert. Vor allem an Häfen und Stränden tauchten sie immer wieder auf. Und sie sind genau das, wonach sie klingen: Stationen, an denen Angler ihren frisch gefangenen Fisch für die weitere Verarbeitung vorbereiten können. Eigentlich vollkommen logisch. Neuseeland hat viel Küste. Viele Menschen angeln. Und irgendwo muss der Fisch schließlich vorbereitet werden. Wenn man solche Stationen vorher aber nicht kennt, schaut man erst einmal etwas länger hin. Wir zumindest. Vor allem die ersten Male beobachteten wir ausgesprochen interessiert über die Schulter, was dort passierte. Allzu genau wollte ich es dann allerdings doch nicht wissen. Sagen wir einfach: Es wurde am Fisch herumgewerkelt. Danach fanden wir Fish Cleaning Stations irgendwann völlig normal. Auch das ist Reisen.

11. Moment – warum gibt es hier Windeln für Jungs und Mädchen?

Noch so ein Supermarkt-Moment. Wir brauchten Windeln für Emma. Also standen wir vor dem Regal und suchten die passende Größe. Nur die Girls-Windeln waren ausverkauft. Girls? Wir hatten zunächst gar nicht auf dem Schirm, dass Windeln hier nach Geschlecht unterschieden wurden. Aber tatsächlich standen im Regal Packungen für Boys und Girls. Der Unterschied lag unter anderem in der Verteilung der besonders saugfähigen Bereiche. Nun hatten wir aber ein Girl und nur noch Boys im Regal. Was tun? Die dramatische Antwort: Boys-Windeln kaufen. Und siehe da: Sie funktionierten auch an Emma. Völlig problemlos. Emma selbst schien die falsche Beschriftung ihrer Windel nicht im Geringsten zu interessieren. Damit war das Problem gelöst.

Was von acht Wochen Neuseeland am Ende übrig bleibt

Wenn wir heute an Neuseeland denken, denken wir natürlich an die großen Dinge. An Berge, Fjorde, Pinguine, Geysire, Wanderungen, Nächte im Camper und unglaubliche Landschaften. Aber eben auch an Pam und Cole. An Emma, die plötzlich begeistert in ihrem Schwimmreifen durchs warme Wasser paddelte. An die Crown Range Road, auf der wir eigentlich gar nicht hätten sein dürfen. An erfolglose Kiwi-Suchen mit Taschenlampen. An menschliche Ampeln. An einen Mann Mitte 30, der kein Bier kaufen durfte. Und an Boys-Windeln für unsere Tochter. Vielleicht sind es genau diese kleinen Geschichten, die eine Reise irgendwann zur eigenen Reise machen. Die großen Sehenswürdigkeiten erleben schließlich viele. Aber unsere ganz persönlichen Kuriositäten in Neuseeland waren nicht geplant. Sie standen in keinem Reiseführer. Und gerade deshalb gehören sie zu den Dingen, die wir neben all den großen Erlebnissen besonders gerne in Erinnerung behalten.

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