Mit Camper und Baby auf die Interislander-Fähre: Unsere Überfahrt von Picton nach Wellington

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Mit Camper und Baby auf die Interislander-Fähre: Unsere Überfahrt von Picton nach Wellington

Fähre mit Baby in Neuseeland
Mit einem 5,60 Meter langen Camper auf eine Fähre fahren? Hatte ich noch nie gemacht.

Entsprechend aufgeregt war ich vor unserer Überfahrt von der Südinsel auf die Nordinsel Neuseelands. Dabei stellte sich ziemlich schnell heraus: Ich hatte mir völlig umsonst Gedanken gemacht. Wir fuhren mit der Interislander-Fähre Aratere von Picton nach Wellington. Mit dabei waren unser Camper, wir zwei und unsere damals neun Monate alte Tochter Emma.

Und am Ende war das Ganze erstaunlich einfach.

Eigentlich musste ich nur immer dem Auto vor mir hinterherfahren. Die rund dreieinhalb Stunden auf dem Schiff waren ebenfalls überraschend entspannt. Emma stellte einen persönlichen Krabbelrekord auf. Wir aßen Nudeln mit Tomatensauce. Sahen Delfine. Und hatten am Ende sogar einen Platz direkt an den großen Panoramafenstern.

Nur eines sollte man sich wirklich merken: Auf welchem Deck steht eigentlich der Camper?

Warum wir mit dem Camper von Picton nach Wellington gefahren sind

Für unsere achtwöchige Neuseelandreise hatten wir uns entschieden, mit demselben Camper über beide Inseln zu reisen. Eine Alternative wäre gewesen, auf der Südinsel einen Camper zu mieten, ihn dort wieder abzugeben und auf der Nordinsel einen neuen zu übernehmen. Das wollten wir nicht. Mit Baby reist man ohnehin nicht gerade mit Handgepäck. Wir hätten unseren kompletten Camper ausräumen müssen. Dann alles irgendwie zur nächsten Vermietstation bringen. Einen neuen Camper übernehmen. Wieder alles einräumen. Nein danke. Außerdem wollten wir den Norden der Südinsel nicht einfach auslassen. Gerade die Gegend rund um Picton und die Marlborough Sounds mit dem Queen Charlotte Track fanden wir wunderschön. Also sollte unser Camper mit uns auf die Fähre. Danach hatten wir noch rund drei Wochen auf der Nordinsel vor uns. Im Nachhinein würde ich es wieder genauso machen. Nur vielleicht nicht mehr mit unserem Travellers-Autobarn-Camper. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unsere Buchung der Interislander-Fähre über CamperOase

Unsere Fährüberfahrt hatten wir nicht selbst gebucht. Das übernahm CamperOase für uns. Das war angenehm unkompliziert. Wir mussten vorab vor allem die Länge unseres Campers angeben. Unser Toyota HiTop war etwa 5,60 Meter lang. Danach bekamen wir unseren Travel Voucher zugeschickt. Das war es im Grunde schon. Für die Überfahrt von Picton nach Wellington zahlten wir insgesamt 430 NZD. Darin waren unser Camper, zwei Erwachsene und Emma als Baby enthalten. Ob darin damals ein Aufschlag durch die Buchung über CamperOase enthalten war, können wir im Nachhinein nicht mehr sicher nachvollziehen. Für uns war die Abwicklung jedenfalls sehr bequem. Und anders als bei einigen anderen Dingen auf dieser Reise funktionierte hier tatsächlich alles so, wie es sollte.

Unsere größte Sorge: Fährt die Interislander-Fähre überhaupt?

Vor der eigentlichen Überfahrt machte mir nicht nur das Auffahren auf das Schiff Sorgen. Vor allem beschäftigte uns das Wetter. Wir hatten vorher immer wieder gelesen, dass Überfahrten über die Cook Strait bei schlechtem Wetter ausfallen können. Auch andere Reisende erzählten uns von gestrichenen Fähren. Und dann wurde ausgerechnet unsere Verbindung am Tag vor unserer Überfahrt tatsächlich abgesagt. Das machte mich natürlich wahnsinnig entspannt. Nicht. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, galt deshalb mein erster Blick dem Wetter. Sonne. Ich war selten so froh über einen blauen Himmel. Unsere Fähre sollte um 11 Uhr in Picton ablegen. Und tatsächlich sah an diesem Morgen alles danach aus, als würden wir fahren.

Check-in mit Camper in Picton: Wir waren viel zu früh

Aus Angst, irgendetwas falsch zu machen oder zu spät zu kommen, waren wir ungefähr zweieinhalb Stunden vor Abfahrt am Terminal. Das war definitiv früher als nötig. Dafür standen wir ziemlich weit vorne. Der Check-in selbst war super einfach. Unseren Voucher konnten wir per QR-Code auf dem Smartphone vorzeigen. Ein Ausdruck wäre ebenfalls möglich gewesen. Danach bekamen wir einen Anhänger für den Rückspiegel. Darauf stand unsere Lane. Bei uns war es Lane 2. Dort warteten nur Camper. Der Anhänger hatte aber noch einen weiteren Zweck: Das Personal konnte daran erkennen, wohin unser Fahrzeug gehörte. Wir selbst mussten uns keine komplizierten Wege oder Anweisungen merken. Also ab in Lane 2. Und warten.

Der vielleicht langsamste Kaffee Neuseelands

Dass wir so früh da waren, hatte einen Vorteil: Rund um die Wartespuren gab es kleine Snack- und Kaffeestände. Perfekt. An einem Stand wurden außerdem Iced Coffee und Eis beworben. Genau das wollte ich. Vor mir standen gerade einmal drei Menschen. Das kann ja nicht lange dauern. Dachte ich. Der ältere Herr hinter dem Tresen hatte allerdings eine bewundernswerte innere Ruhe. Wirklich nichts auf dieser Welt schien ihn zu hetzen. Nach ungefähr 20 Minuten hatte ich meinen Kaffee. Inzwischen standen etwa zehn Leute hinter mir. Immerhin schmeckte er. Nur einen Iced Coffee hatte ich nicht bekommen. Den gab es nämlich gar nicht. Und das Eis auf den Schildern? Ebenfalls nicht. Die Schilder habe man nur vergessen abzunehmen. Na toll. Wir hatten uns extra deswegen angestellt. Zum Glück hatten wir zweieinhalb Stunden Zeit.

Mit dem Camper auf die Interislander-Fähre fahren

Irgendwann ging es tatsächlich los. Unsere Aratere legte am Ende nur etwa fünf Minuten später als geplant ab. Und nun kam der Teil, vor dem ich vorher am meisten Respekt gehabt hatte: Ich musste unseren Camper auf die Fähre fahren. Ich hatte das noch nie gemacht. Im Kopf stellte ich mir irgendwelche engen Rampen, komplizierten Kurven und Einparkmanöver zwischen riesigen Fahrzeugen vor. Die Realität war wesentlich unspektakulärer. Ich fuhr einfach dem Camper vor mir hinterher. Überall stand Personal. Die Mitarbeiter sahen anhand unseres Anhängers am Rückspiegel, wo wir hinmussten. An jeder wichtigen Stelle wurden wir weitergewunken. Geradeaus. Kurve. Weiter. Parken. Fertig. Es war genug Platz und viel einfacher als gedacht. Während des Parkens wurde immer wieder angesagt, dass die Handbremse angezogen und ein Gang eingelegt werden muss. Dann schnappten wir unsere Sachen und gingen nach oben. Endlich mal ein Fahrzeug auf dieser Reise, das einfach funktionierte.

Mein wichtigster Tipp: Fotografiert euer Parkdeck

Einen Tipp kann ich jedem geben, der mit Auto oder Camper auf die Fähre fährt: Fotografiert euer Parkdeck. Ich hatte beim Verlassen des Fahrzeugdecks zum Glück schnell ein Foto von der Decknummer gemacht. Nicht weil ich uns für besonders vergesslich hielt. Ein paar Stunden später kam die Durchsage, dass wir zu unseren Fahrzeugen zurückkehren sollten. Und natürlich hatten wir beide keine Ahnung mehr, auf welchem Deck unser Camper stand. Foto raus. Problem gelöst. Das würde ich jedes Mal wieder so machen.

Interislander mit Baby: Emma entdeckt den Familienbereich

Den größten Teil der Überfahrt verbrachten wir im Familienbereich im Inneren des Schiffs. Die Aussicht war dort nicht besonders spektakulär. Eigentlich gab es gar keine. Dafür war es mit Baby perfekt. Es gab Sessel und einen TV-Bereich. Vor allem gab es aber Platz auf dem Boden. Emma war begeistert. Gemeinsam mit Papa startete sie eine kleine Expedition durch den Familienbereich und legte dort die bis dahin längste Krabbelstrecke ihres gesamten Neuseelandurlaubs zurück. Offenbar hatte sie endlich die richtige Trainingsumgebung gefunden. Ich saß währenddessen daneben und las ein Buch. So hatte jeder etwas von der Überfahrt. Emma lernte außerdem andere Kinder kennen und konnte sich bewegen. Gerade nach vielen Stunden im Kindersitz während unseres Roadtrips war das Gold wert. Auf dem Schiff gab es damals außerdem einen ausgewiesenen Playing Room. Der war bei unserer Überfahrt allerdings geschlossen. Schade. Auch das Kino war geschlossen. Das war uns mit neun Monate altem Baby allerdings ziemlich egal.

Aufzug oder Treppe mit Baby?

Zwischen Fahrzeugdeck und Passagierbereichen gab es Aufzüge. Mit Kinderwagen oder viel Gepäck wäre das praktisch gewesen. Wir hatten auf unserer Neuseelandreise keinen Kinderwagen dabei und nahmen deshalb die Treppe. Das hatte noch einen anderen Grund. Vor den Aufzügen bildeten sich teilweise kleine Schlangen. Und wir wollten möglichst schnell nach oben. Schließlich gab es dort Plätze mit Aussicht. Prioritäten.

Essen auf der Interislander-Fähre

Irgendwann bekamen wir Hunger. Man kann an Bord Essen kaufen. Kulinarische Höchstleistungen würde ich allerdings nicht erwarten. Wir entschieden uns für Nudeln mit Tomatensauce. Die waren okay. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Die Preise fanden wir für neuseeländische Verhältnisse in Ordnung. Für Emma hatten wir eigenes Babyessen dabei. Generell würde ich mit Baby nicht übermäßig viel Zeug für die Überfahrt einpacken. Die Fahrt dauert nur etwa dreieinhalb Stunden. Ein bisschen Spielzeug. Windeln. Babyessen. Getränke. Eine warme Jacke. Fertig. Allerdings gibt es dabei einen wichtigen Punkt.

Was muss man aus dem Camper mit auf die Fähre nehmen?

Was einmal unten im Camper liegt, bleibt während der Überfahrt dort. Während der Fahrt darf man nicht zurück zum Fahrzeug. Deshalb sollte man sich vor dem Verlassen des Campers überlegen, was man in den nächsten dreieinhalb Stunden braucht. Mit Baby würde ich Folgendes mitnehmen:
  • Windeln und Feuchttücher
  • Babyessen
  • Wasser bzw. Fläschchen
  • ein wenig Spielzeug
  • Wechselkleidung
  • warme Sachen für das Außendeck
  • wichtige Medikamente
Man muss daraus aber keine Flugreise machen und den halben Camper mit nach oben schleppen. Wir kamen mit relativ wenig sehr gut zurecht.

Ocean View Seats, Außendeck und Delfine

Neben dem Familienbereich verbrachten wir auch viel Zeit weiter oben auf dem Schiff. Besonders beliebt waren die Ocean View Seats direkt hinter den großen Panoramafenstern. Und wir hatten Glück. Wir erwischten Plätze ganz vorne. Von dort konnten wir einfach sitzen und aufs Meer schauen. Gerade mit Baby war das ziemlich angenehm. Noch schöner war die Aussicht allerdings draußen.

Deck 10 und die Aussicht auf beide Inseln

Einen Teil der Überfahrt verbrachten wir auf dem Außendeck. Besonders schön war die erste Phase nach dem Ablegen in Picton. Die Fähre fährt durch die Marlborough Sounds hinaus Richtung Cook Strait. Von oben konnten wir noch einmal auf den Norden der Südinsel zurückschauen. Und genau deshalb würde ich diese Strecke auch nicht einfach überspringen. Die Gegend rund um Picton war für uns ein Teil der Reise und nicht nur der Ort, an dem zufällig die Fähre ablegte. Später kam das offene Meer. Unsere Überfahrt war insgesamt sehr ruhig. Wir spürten natürlich ab und zu ein paar Wellen. Seekrank wurde bei uns aber niemand. Wir sahen auch keine anderen Passagiere, die größere Probleme hatten. Erst in der letzten Stunde wurde es bei uns deutlich windiger. Ausgerechnet da verbrachten wir ziemlich viel Zeit draußen. Dick eingepackt war es aber trotzdem schön. Von Deck 10 hatten wir einen tollen Blick auf das Meer. Erst lag die Südinsel hinter uns. Später tauchte vor uns langsam die Nordinsel auf. Und dann standen plötzlich auffällig viele Menschen an einer Stelle an der Reling. Also gingen wir natürlich hin.

Delfine neben unserer Fähre

Und tatsächlich: Delfine! Wir sahen sie vom oberen Außendeck aus im Wasser. Das war einer dieser ungeplanten Momente, die man vorher in keinen Reiseplan schreiben kann und an die man sich hinterher trotzdem besonders gut erinnert. Wir hatten einfach Glück. Spätestens in diesem Moment war meine ganze Aufregung vom Morgen ziemlich weit weg.

Ankunft mit dem Camper in Wellington

Nach ungefähr dreieinhalb Stunden näherten wir uns Wellington. Für uns war die Länge der Überfahrt mit Baby ziemlich ideal. Lang genug, dass die Fahrt selbst ein kleines Erlebnis war. Aber kurz genug, dass wir kein großes Beschäftigungsprogramm brauchten. Zwischen Krabbeln, Essen, Familienbereich, Panoramafenstern und Außendeck verging die Zeit erstaunlich schnell. Kurz vor Wellington kam schließlich die Durchsage. Alle Autofahrer sollten zu ihren Fahrzeugen zurückkehren. Jetzt schlug die Stunde meines Parkdeck-Fotos. Wir fanden unseren Camper tatsächlich wieder und warteten auf die Anweisung zum Losfahren. Auch das Verlassen der Fähre war genauso unkompliziert wie das Auffahren. Wieder galt: Dem Vordermann folgen. Den Anweisungen des Personals folgen. Runterfahren. Fertig. Und plötzlich standen wir mit unserem Camper auf der Nordinsel.

Nach der Fähre direkt weiterfahren?

Wir hatten uns bewusst dagegen entschieden, nach der Überfahrt noch eine große Strecke zu fahren. Für die erste Nacht hatten wir schon vorher einen Campingplatz in der Nähe des Fährterminals in Wellington gebucht. Der war nicht gerade das landschaftliche Highlight unserer Neuseelandreise. Aber das musste er auch nicht sein. Wir wollten nach der Fähre nur noch eine kurze Strecke fahren, ankommen und den Tag entspannt beenden. Am nächsten Morgen konnte dann der nächste Teil unserer Reise beginnen: drei Wochen Nordinsel.

Ein Camper für Nord- und Südinsel oder zwei verschiedene Camper?

Nach unserer Reise ist meine Antwort ziemlich eindeutig: Ich würde wieder denselben Camper mit auf die Fähre nehmen. Für uns hatte das mehrere Vorteile. Wir mussten nichts umpacken. Wir mussten keinen Camper zurückgeben. Wir mussten keinen zweiten übernehmen. Wir mussten uns nicht noch einmal erklären lassen, wo Gas, Strom und Wassertank funktionieren. Vor allem verloren wir keinen zusätzlichen Urlaubstag mit Camper-Rückgabe und neuer Übernahme. Stattdessen fuhren wir in Picton auf ein Schiff und wenige Stunden später in Wellington wieder herunter. Das war’s. Auch landschaftlich würde ich die Route wieder genauso planen. Der Norden der Südinsel mit Picton, den Marlborough Sounds und dem Queen Charlotte Track ist viel zu schön, um ihn nur wegen der Camperlogistik auszulassen. Natürlich sollte man bei einem Mietcamper vorher prüfen, ob der Vermieter die Mitnahme auf der Fähre erlaubt. Bei unserem Camper war das kein Problem.

Unsere Interislander Erfahrungen: Würden wir die Fähre wieder nehmen?

Sofort. Vor der Überfahrt war ich viel nervöser als nötig. Ich hatte Angst vor dem Auffahren. Vor engem Rangieren. Vor schlechtem Wetter. Vor einer Absage. Und ein bisschen wahrscheinlich auch einfach vor dem Unbekannten. Am Ende war fast alles erstaunlich entspannt. Der Check-in war einfach. Das Auffahren war einfach. Die Fahrt war ruhig. Emma konnte stundenlang krabbeln. Wir konnten essen, lesen und aufs Meer schauen. Wir sahen die Marlborough Sounds vom Wasser aus. Wir sahen Delfine. Und irgendwann erschien vor uns Wellington. Für uns war die Fähre deshalb nicht einfach nur der notwendige Transport zwischen zwei Teilen unserer Neuseelandreise. Die Überfahrt war selbst ein schöner Reisetag. Nur drei Dinge würde ich beim nächsten Mal genauso machen: Sehr rechtzeitig da sein. Alles Wichtige aus dem Camper mit nach oben nehmen. Und unbedingt das Parkdeck fotografieren. Ach ja. Und für einen Iced Coffee würde ich mich in Picton nicht noch einmal 20 Minuten anstellen. Die Fähre würde ich dagegen jederzeit wieder nehmen. Gerne sogar mit Baby. Nur den Travellers-Autobarn-Camper würde ich beim nächsten Mal an Land lassen.

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