Vulkane, heiße Quellen, beeindruckende Nationalparks und die leuchtenden Farben des japanischen Herbstes – willkommen auf Hokkaido!
Auf Japans nördlichster Hauptinsel erwarten uns weite Landschaften, wilde Natur und spannende Einblicke in die Kultur der Ainu, der indigenen Bevölkerung Hokkaidos. Mit unseren beiden Kindern und dem Camper wollen wir die Insel in unserem eigenen Tempo entdecken – zwischen Bergen, Vulkanlandschaften und kleinen Abenteuern am Wegesrand.
◷Reisebeginn10. Oktober 2026
✈Unsere AnreiseTokio-Haneda · Asahikawa
♡Unterwegs mitZwei Erwachsenen, einer Dreijährigen, einem Baby und bald einem Camper
Tag 1 · 10. Oktober 2026
Flughafenchaos in Tokio und der Start unseres Camperabenteuers
Heute war ein Tag der Extreme! Dabei begann alles noch ziemlich entspannt. Wir standen auf, frühstückten gemütlich im Hotel und fuhren anschließend mit dem Taxi zum Flughafen. Unser nächstes Ziel: Asahikawa auf Hokkaido. Dort wartete der Camper auf uns, mit dem wir die kommenden 45 Tage Japan erkunden wollten.
Eine kaputte Trinkflasche und die ersten Schwierigkeiten
Schon beim Ausladen am Flughafen gab es allerdings einen ersten kleinen Stolperstein: Dem Taxifahrer fiel mein Rucksack aus dem Kofferraum. Und zwar so unglücklich, dass meine Trinkflasche dabei kaputtging.
Ärgerlich, aber kein Weltuntergang, dachte ich mir. Im Nachhinein war es allerdings ein ziemlich passender Auftakt für das Chaos, das uns an diesem Vormittag noch bevorstand.
Am Check-in-Automaten der Japan Airlines ging es direkt weiter. Für zwei von uns konnten wir problemlos Boardingpässe erstellen. Bei den anderen beiden war die entsprechende Option einfach ausgegraut. Großartig!
Also machten wir uns auf die Suche nach jemandem, der uns auf Englisch weiterhelfen konnte. Das war am Flughafen gar nicht so einfach. Schließlich versuchte es eine freundliche Mitarbeiterin von Japan Airlines selbst am Automaten – und scheiterte genauso wie wir.
Sie schickte uns zu einem Schalter am anderen Ende des Terminals. Eigentlich hatten wir extra reichlich Zeit eingeplant. Aber irgendwie vergingen die Minuten plötzlich deutlich schneller als gedacht. Nach fast einer halben Stunde am Flughafen waren wir schon leicht gestresst.
Immerhin: Am Schalter konnte man uns endlich helfen. Wir bekamen die fehlenden Boardingpässe und machten uns auf den Weg zur Sicherheitskontrolle.
Ein bisschen Ruhe – und ein Porträt von Emma
Die Sicherheitskontrolle verlief zum Glück völlig reibungslos. Dahinter blieb sogar noch Zeit für einen kleinen Morgensnack, bevor wir uns zum Gate aufmachten.
Dort war die Welt für einen Moment wieder in Ordnung. Emma bestaunte aufgeregt die Flugzeuge, Sara durfte krabbeln und wir konnten endlich ein bisschen durchatmen.
Besonders schön war eine Begegnung im Wartebereich: Emma freundete sich mit zwei kleinen japanischen Kindern in der Sitzreihe hinter uns an. Das Mädchen schenkte ihr ein paar Süßigkeiten, und ihr großer Bruder begann sogar, Emma zu zeichnen.
Zum Abschied zeigte mir die Mutter lachend das Kunstwerk ihres Sohnes. Wuschelhaare, große Kulleraugen – er hatte Emma wirklich gut getroffen!
Was für eine süße Begegnung. Wir ahnten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, dass uns der aufregendste Teil des Vormittags erst bevorstand.
Boarding? Nicht für uns!
Als das Boarding begann, schien zunächst alles ganz normal zu laufen. Doch direkt am Gate stellte sich heraus, dass eines unserer Dokumente fehlte.
Offenbar war bei der Sicherheitskontrolle übersehen worden, dass wir auch ein Baby dabeihatten. Dort waren nur drei statt vier Boardingkarten gescannt worden. Das wurde nun zum Problem: Für den Einstieg benötigten wir ein weiteres Dokument, das beim Passieren der Sicherheitskontrolle erzeugt wurde. Das wussten wir nicht – und entsprechend hatten wir auch nicht nachgezählt, ob wir für alle vier die richtigen Unterlagen hatten.
Wir durften nicht ins Flugzeug.
Emma war völlig aufgelöst, wir zunehmend gestresst. Und dann kam es noch schlimmer: Plötzlich konnten wir Emmas Reisepass nicht mehr finden.
Während um uns herum die letzten Passagiere einstiegen, suchten wir hektisch unsere Sachen ab. Irgendwann sprach Papa aus, was wir beide dachten:
„Das Flugzeug wird ohne uns fliegen!“
Inzwischen waren wir tatsächlich die letzten verbliebenen Passagiere am Gate. Ohne vollständige Unterlagen und ohne Emmas Pass ging gar nichts.
Ein Reisepass im Kinderwagen und ein Sprint ins Flugzeug
Und dann tauchte der Reisepass endlich wieder auf. Das Gatepersonal hatte Emmas Kinderwagen bereits in eine große rote Tüte gepackt, damit beim Einsteigen alles schneller ging. Irgendwie war dabei auch ihr Pass im Kinderwagen gelandet.
Also wieder auspacken, Pass finden, alles erneut verstauen. Die Mitarbeiterinnen am Gate druckten uns schließlich für die ganze Familie neue Boardingpässe aus.
Und dann: los! Wir eilten durch die Fluggastbrücke ins Flugzeug.
Wir konnten es kaum glauben. Fast zehn Minuten nachdem die anderen Passagiere eingestiegen waren, saßen auch wir endlich auf unseren Plätzen.
Puh! Das war knapp.
Endlich Hokkaido!
Im Flugzeug wurde es zum Glück wieder entspannt. Emma bekam sogar noch einmal Süßigkeiten von einem anderen Kind – dieses Mal aus der Reihe vor uns. Während des Fluges konnten wir uns langsam von den Strapazen dieses chaotischen Vormittags erholen.
Gegen 13 Uhr landeten wir schließlich in Asahikawa. Geschafft! Und nun wartete das eigentliche Abenteuer auf uns.
Unseren Camper hatten wir bei Japan C.R.C. gemietet, einem großen japanischen Wohnmobilvermieter. Wir wurden bereits in der Ankunftshalle empfangen und zu unserem Fahrzeug begleitet.
Und da stand er: unser „kleines“ Auto für die nächsten Wochen. Fast fünf Meter lang und rund drei Meter hoch! Plötzlich wirkte das Ganze doch ziemlich groß.
Nach einer Einführung in das Fahrzeug konnte es endlich losgehen. 45 Tage mit dem Camper durch Japan – here we go!
Unser erster Abend auf vier Rädern
Den Rest des Tages nutzten wir vor allem für die Dinge, die vor so einer Reise einfach erledigt werden müssen: das Auto kennenlernen, einkaufen, Gepäck auspacken und irgendwie alles an seinem Platz verstauen.
Am Abend erkundeten wir noch ein bisschen unseren Campingplatz. Und dann ging es auch schon ins Bett.
Nach diesem Vormittag hatten wir uns ein bisschen Erholung wirklich verdient. Morgen würde unser Camperabenteuer dann so richtig beginnen.
Gute Nacht, Hokkaido!
Hokkaidō · Tag 2 · 11. Oktober 2026
Unser erstes Camperabenteuer: Mit zwei kleinen Kindern auf den höchsten Vulkan Hokkaidōs
Unterwegs am Asahidake: Vulkanlandschaft im Daisetsuzan-Nationalpark auf Hokkaidō.
Heute war unser erster richtiger Tag im Camper – und was soll ich sagen? Es war direkt ein richtig schöner Tag! Der perfekte Mix aus spannenden Naturabenteuern, beeindruckenden Landschaften und entspannter Familienzeit.
Vier Personen, 2,5 Meter Bett – und eine sehr ungleiche Platzverteilung
Unsere erste Nacht im Camper hatten wir erfolgreich hinter uns gebracht. Es war kühl, aber nicht wirklich kalt, und eigentlich hatten wir sogar relativ gut geschlafen.
Wir schliefen zu viert nebeneinander in der oberen Etage unseres Campers, auf einer etwa 2,5 Meter breiten Liegefläche. Wobei „nebeneinander“ vielleicht etwas großzügig formuliert ist. Drei von uns teilten sich ungefähr einen Meter, während die vierte Person die restlichen 1,5 Meter ganz für sich allein beanspruchte.
Wer wer ist, bleibt an dieser Stelle natürlich offen. 😊
Unser erstes Frühstück unter freiem Himmel
Am Morgen stand dann eine weitere Premiere an: unser erstes richtiges Camperfrühstück!
Also holten wir Campingtisch und Campingstühle aus dem Auto, bauten alles mitten auf der Wiese auf und machten es uns gemütlich.
Auf den Tisch kamen Müsli, Brot, Milch und natürlich Kaffee. Nichts besonders Aufwendiges, aber irgendwie war es trotzdem ein richtig schöner Moment. Da saßen wir nun, mitten in Hokkaidō, mit unseren beiden Kindern vor unserem kleinen Zuhause auf Rädern und frühstückten unter freiem Himmel.
Genau so hatten wir uns das Camperleben vorgestellt!
Nach dem Frühstück hieß es allerdings erst einmal: aufräumen, putzen, zusammenpacken und alles wieder ordentlich verstauen. Denn bevor wir losfahren konnten, musste natürlich jedes Teil wieder an seinen Platz.
Und dann konnte unser erstes großes Abenteuer beginnen!
Mit dem Camper zur Asahidake Ropeway – war meine Sorge völlig unbegründet?
Ich muss gestehen: Ein bisschen nervös war ich schon.
In der Nacht hatte ich tatsächlich mehrmals wach gelegen und darüber nachgedacht, ob ich die Fahrt zur Asahidake-Seilbahn wirklich machen wollte. Auf Google Maps sah die Straße nämlich ziemlich kurvig aus. Und mit einem Camper auf unbekannten japanischen Bergstraßen unterwegs zu sein, fühlte sich in meiner Vorstellung erst einmal nicht besonders entspannt an.
Zwischendurch war ich sogar kurz davor, den Ausflug komplett zu streichen.
Zum Glück habe ich es nicht getan!
Denn die Strecke stellte sich als völlig unkompliziert heraus. Die Straße war gut ausgebaut, angenehm zu fahren und längst nicht so anspruchsvoll, wie ich befürchtet hatte.
Auf der Südinsel Neuseelands waren wir mit unserem Camper fast täglich auf schmaleren, steileren oder kurvigeren Straßen unterwegs gewesen.
Meine ganze nächtliche Grübelei war also völlig umsonst gewesen.
Und das Beste: Am Ende der Straße wartete eines unserer bisherigen Highlights in Japan auf uns.
Mit der Seilbahn in ein vulkanisches Wunderland
Unser Ziel war die Asahidake Ropeway im Daisetsuzan-Nationalpark.
Die Seilbahn führt an den Hängen des Asahidake (旭岳) hinauf, mit 2.291 Metern der höchste Berg Hokkaidōs. Die Bergstation, die sogenannte Sugatami Station, liegt auf etwa 1.600 Metern Höhe.
Schon die Fahrt mit der Seilbahn war wunderschön. Unter uns erstreckten sich die Wälder Hokkaidōs, deren Blätter sich bereits in den unterschiedlichsten Herbstfarben zeigten. Gelb, Orange, Rot und dazwischen immer wieder dunkles Grün.
Ein richtiges Herbstfarbenmeer!
Doch oben erwartete uns eine Landschaft, die mit den bunten Wäldern unter uns kaum noch etwas gemeinsam hatte.
Plötzlich standen wir mitten in einer faszinierenden Vulkanlandschaft. Karge Berghänge, kleine Vulkanseen, dampfende Stellen im Boden und dazwischen sogar ein bisschen Schnee.
Es sah stellenweise fast so aus, als wären wir auf einem anderen Planeten gelandet.
1,7 Kilometer durch die Vulkanlandschaft – und Emma läuft alles allein!
Von der Bergstation aus machten wir uns auf einen etwa 1,7 Kilometer langen Rundweg durch die Vulkanlandschaft.
Der Weg war gut angelegt, aber durchaus bergig. Immer wieder ging es bergauf und bergab, teilweise über ziemlich steile Treppen.
Für Erwachsene gut machbar – aber für eine Dreijährige durchaus eine kleine Herausforderung.
Und Emma?
Die lief einfach los!
Geduldig, motiviert und voller Entdeckerfreude meisterte sie tatsächlich den gesamten Rundweg auf ihren eigenen Beinen. Selbst die steileren Treppen schaffte sie ganz allein.
Natürlich legten wir zwischendurch immer wieder kleine Pausen ein. Aber sie hatte richtig Spaß daran, die Landschaft zu erkunden, und wollte unbedingt weiterlaufen.
Ich war wirklich stolz auf sie!
Am Anfang unserer Wanderung war ich allerdings ein kleines bisschen enttäuscht. Der Gipfel des Asahidake versteckte sich nämlich hinter einer dichten Wolkendecke. Wir konnten zwar die beeindruckende Vulkanlandschaft sehen, aber der eigentliche Berg blieb zunächst verborgen.
Doch dann hatten wir Glück.
Während wir weiterwanderten, verzogen sich die Wolken langsam. Stück für Stück wurde der Blick auf den Vulkan frei, bis schließlich auch der obere Berg und seine dampfenden Hänge im Sonnenlicht lagen.
Was für ein Anblick!
Plötzlich wirkte die Landschaft noch einmal ganz anders. Die Sonne ließ die Farben kräftiger erscheinen, die kleinen Seen spiegelten den Himmel und über den vulkanischen Hängen stiegen weiße Dampfwolken auf.
Spätestens in diesem Moment wusste ich: Die Entscheidung, trotz meiner Bedenken hierherzufahren, war goldrichtig gewesen.
„Mama, hat der Vulkan auch eine Zunge?“
Besonders spannend fand Emma die Vulkane.
Immer wieder stellte sie Fragen zu den dampfenden Stellen und dem riesigen Berg vor uns. Und ich überlegte, wie ich einer Dreijährigen am besten erklären könnte, was ein Vulkan eigentlich ist.
Also versuchte ich es mit einem möglichst einfachen Bild:
Ein Vulkan hat so etwas wie einen Mund. Und aus diesem Mund kann er manchmal heiße Lava, Asche und Steine ausspucken.
Emma hörte aufmerksam zu, dachte kurz nach und stellte dann eine Frage, mit der ich nun wirklich nicht gerechnet hatte:
„Mama, hat der Vulkan auch eine Zunge?“
Ich musste so lachen!
Aber eigentlich war die Frage ja völlig logisch. Wenn ein Vulkan einen Mund hat, warum sollte er dann keine Zunge haben?
Kinderlogik vom Feinsten. 😀
Und genau solche Momente liebe ich am Reisen mit kleinen Kindern. Wir Erwachsenen bestaunen die spektakuläre Landschaft, die geologischen Besonderheiten und die beeindruckenden Berge. Und unsere Dreijährige bringt uns mit einer einzigen Frage dazu, die ganze Sache noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten.
Ein entspannter Abschluss am See
Nach unserem Ausflug auf den Asahidake waren wir alle ziemlich zufrieden. Wir hatten wunderschöne Herbstlandschaften gesehen, eine beeindruckende Vulkanwelt erkundet und Emma hatte ganz nebenbei ihre erste richtige Bergwanderung in Japan gemeistert.
Jetzt durfte es etwas ruhiger werden.
Also machten wir auf dem Rückweg noch einen kleinen Zwischenstopp an einem nahegelegenen See. Wir holten ein paar Snacks heraus, genossen die Aussicht und ließen die vielen Eindrücke des Tages ein bisschen sacken.
Kein großes Programm mehr, keine weitere Sehenswürdigkeit, die wir unbedingt noch abhaken mussten.
Einfach ein bisschen Familienzeit in der Natur.
Anschließend fuhren wir zurück zu unserem Campingplatz, auf dem wir bereits die Nacht zuvor verbracht hatten.
Und so endete unser erster vollständiger Campertag in Japan genau so, wie er begonnen hatte: entspannt, glücklich und mit dem Gefühl, dass dieses Abenteuer eine richtig gute Idee gewesen war.
Unser Fazit: Ein perfekter erster Campertag auf Hokkaidō
Was für ein schöner Einstieg in unser Camperabenteuer!
Eine überraschend gemütliche erste Nacht, Frühstück auf der Wiese, eine völlig unkomplizierte Fahrt durch die Berge und schließlich eine der beeindruckendsten Vulkanlandschaften, die wir bisher gesehen haben.
Besonders in Erinnerung bleiben wird mir aber nicht nur der Moment, als die Wolken den Blick auf den Asahidake freigaben.
Sondern auch unsere kleine Dreijährige, die sich tapfer über steile Treppen kämpfte, neugierig die Welt entdeckte und unbedingt wissen wollte, ob ein Vulkan eine Zunge hat.
Genau dafür lieben wir das Reisen mit Kindern.
Und morgen? Da wartet schon das nächste Abenteuer auf uns!
Fortsetzung folgt
Unser Hokkaido-Abenteuer geht weiter
Die nächsten Reisetage ergänzen wir hier nach und nach – mit Bergen, Natur und unseren Erlebnissen unterwegs im Camper.